Handelsblatt weiterhin Pflichtlektüre für Anlageberater

11. Dezember 2009 – 13:22

Mit Urteil vom 5.11.2009 (Az. III ZR 302/08) hat der BGH erneut das Handelsblatt zur Pflichtlektüre für Anlageberater erhoben. Die Lektüre des Handelsblatts ist für jeden Anlageberater unverzichtbar, denn das Handelsblatt bietet als werktäglich erscheinende Zeitung mit spezieller Ausrichtung auf Wirtschaftsfragen und einem diesbezüglich breiten Informationsspektrum in ganz besonderem Maße die Gewähr, aktuell über wichtige und für die Anlageberatung relevante Nachrichten informiert zu werden. Bei einem Beratungsvertrag ist der Anlageberater zu mehr als nur zu einer Plausibilitätsprüfung verpflichtet. In Bezug auf das Anlageobjekt hat sich die Beratung auf diejenigen Eigenschaften und Risiken zu beziehen, die für die jeweilige Anlageentscheidung wesentliche Bedeutung haben oder haben können. Ein Anlageberater ist deshalb gehalten, eine Anlage, die er empfehlen will, mit üblichem kritischem Sachverstand zu prüfen, oder den Anleger auf ein diesbezügliches Unterlassen hinzuweisen. Ein Anlageberater, der sich in Bezug auf eine bestimmte Anlageentscheidung als kompetent geriert, hat sich aktuelle Informationen über das Anlageobjekt zu verschaffen, das er empfehlen will. Dazu gehört auch die Auswertung vorhandener Veröffentlichungen in der Wirtschaftspresse. Bei einer privaten Anleihe muss danach über zeitnahe und gehäufte negative Berichte in der Börsenzeitung, der Financial Times Deutschland, dem Handelsblatt und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung unterrichtet werden (Senatsurteil vom 5. März 2009 – III ZR 302/07 – NJW-RR 2009, 687, 688 Rn. 13 f m.w.N.). Unbedeutend ist, ob der Anlageberater die entsprechende Zeitung nicht bezieht oder nur vergessen hat, die Nachricht dem Anleger mitzuteilen. Nicht entscheiden wurde, ob die Durchsicht einer Zeitung noch am Erscheinungstag erforderlich ist, aber jedenfalls nach Ablauf von drei Tagen. Im Allgemeinen kann der Anleger erwarten, dass sich sein Berater aktuelle Informationen über das Anlageprodukt beschafft und zeitnah Berichte in der Wirtschaftspresse zur Kenntnis nimmt. Ausreichend für die Pflichtverletzung ist auch, dass die Meldung nur in einer Zeitung veröffentlicht wurde. Da es im vorliegenden Fall nicht um Werturteile ging, sondern um eine Tatsache, die Geschäftsuntersagung, war keine gehäufte negative Berichterstattung notwendig.

  1. Ein Kommentar zu “Handelsblatt weiterhin Pflichtlektüre für Anlageberater”

  2. Das Urteil ist sehr interessant. Es ist wichtig und richtig, als Anlageberater die einschlägige Presse zu studieren und das Gelesene in die Anlageempfehlungen mit einzubeziehen.
    Leider merkt man aber auch in der Presse ein gewisses Herdenverhalten. So wurden 3-5 Jahre zuvor offene Immobilienfonds gelobt. Aktuell werden diese ja geradezu zerrissen.
    Dies gilt oftmals auch für die Entwicklung an den Aktienbörsen. Im Nachhinein ist wohl jeder klüger. Es wäre fatal, die Presse als das NonPlusUltra hinzustellen. Am Ende steht der Diskussionsprozess zwischen Berater und Kunden und letztlich ein gesunder Menschenverstand.

    von al_man am 7. Nov 2010

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